After the Death of Journalism in the US: Reinventing Reporting on the Web (German Summary)

Yaay! My thesis is finally done done done!
I have yet to figure out whether I can put it online or whether my professors need to have it marked before, but I wrote a German summary, which surely will be no trouble if it appears online😉. 

Hope you enjoy reading!

“In der vorliegenden Magisterarbeit untersuche ich die Veränderung des investigative reporting (IR), also des investigativen Journalismus in den USA des beginnenden 21. Jahrhundert.

Die Medienlandschaft in den USA hat sich in den vergangenen 10 Jahren drastisch verändert. Starke finanzielle Einschnitte haben Redaktionen verkleinert und viele Tageszeitungen wurden komplett geschlossen. Diese waren in der Vergangenheit jedoch die treibende Kraft des IR in den USA, besonders sind hier die New York Times und die Washington Post zu nennen.

Gleichzeitig zur sich verschlechternden ökonomischen Situation fand im Internet eine kulturelle Entwicklung statt, die Einfluss auf journalistische Praktiken allgemein und investigative Praktiken im Besonderen genommen hat und sich auch auf die kommunikative Situation zwischen Medienproduzent und
Rezipient auswirkte, indem sie das klassische Machtverhältnis zwischen Beiden veränderte.

Der britische Kulturtheoretiker Raymond Williams geht davon aus, dass kulturelle Entwicklung durch den Prozess der Inkorporation geschieht. In seiner Theorie existiert eine Konvention dominierender Kultur, nach der alles andere ausgerichtet ist. Diese ist jedoch nicht statisch, sondern erneuert sich fortwährend und erhält ihre Dominanz dadurch, dass sie alternative Kulturen entweder unterdrückt oder – wenn diese unter gesellschaftlichen oder ökonomischen Aspekten zu stark oder relevant werden – die Praktiken aufgreift und in eine der dominanten Kultur angepassten Definition integriert. Williams sieht in diesem Prozess eine „lange Revolution“ der Demokratisierung in unserer Gesellschaft.

Ziel meiner Arbeit ist es, diesen Veränderung- und Inkorporationsprozess am Beispiel von sechs Fallstudien des investigativen Journalismus der USA zu zeigen und damit die Entwicklungen nachzuzeichnen und zu erklären. Ich gehe hierbei zunächst davon aus, dass die Weltwirtschaftskrise 2008 / 2009 dafür gesorgt hat, dass alternative Onlinepraktiken auf Grund ökonomischer Gesichtspunkte für die dominante Medienkultur relevant wurden, woraufhin eine Inkorporation stattfand.

Zu diesem Zweck gebe ich zunächst eine Einleitung in die Problemstellung, die die missliche Lage und die Veränderungen der Medienlandschaft skizziert. Mit der Erläuterung der Kulturtheorie von Raymond
Williams und seines Verständnis der Beziehungen zwischen „emergenten“ sich entwickelnden Kulturen, der dominanten Kultur und kulturellen Überresten, „residualen“ Kulturen, bilde ich die Grundlage das Verständnis der Veränderungen im IR. Um eine historische Einordnung zu erlauben, gebe ich
einen kurzen Überblick über die Entwicklung des IR in den USA.

Im ersten Teil der Analyse befasse ich mich mit der dominanten Kultur des IR und betrachte je eine Fallstudie der New York Times und der Washington Post zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Analyse folgt einer Struktur von David Protess von der Genese eines Falles bis zur Wirkung. In den Fallanalysen identifiziere ich Kernelemente klassischer investigativer Fälle, wie die aktive Reporterrolle, die gesellschaftliche Relevanz, das Element der Geheimhaltung und Intention mit der Reportage gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen. Hierdurch wird die zuvor dargelegte Definition
des IR untermauert.

Zum Vergleich analysiere ich daran anschließend zwei investigative Fälle, die aus der Onlinekultur stammen und zeige, dass sowohl der West Seattle Blog als auch Spot.us den professionellen Ansprüchen modernen IRs gerecht werden. Darüber hinaus weise ich auf die Unterschiede in den Geschichten zu klassischen Reportagen hin, identifiziere strukturelle, technische und kulturell begründete Veränderungen in den Praktiken des IR.

Diese schlagen sich vor Allem in der stärkeren Einbettung des Reporters in einer Gemeinschaft nieder aus der heraus er recherchiert. Ich führe diese Unterschiede auf ihre Wurzeln in der Online-Kultur zurück, die unter anderen Wert- und Moralvorstellungen agiert und sich explizit gegen machtdominierte Strukturen ausspricht. In der Kultur wird gerne von der Demokratisierung der Medien gesprochen. Dementsprechend liegt den Praktiken des IR im Internet ein anderes Kommunikationsmodell zu Grunde, welches statt einer hierarchischen Ordnung ein egalitäreres Verhältnis zwischen Medienproduzenten und –konsumenten schafft.

Sowohl die Praktiken als auch die Verschiebung der Machtverhältnisse aus der Online-Kultur haben die Vertreter des klassischen IR, also der dominanten Mainstreamkultur repäsentiert durch die eingangs analysierten Zeitungen, beeinflusst. Dies geschah in zwei Wellen, wie ich im dritten Teil der Analyse zeige.

Denn bei Betrachtung investigativer Fälle gegen Ende der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts wird klar, dass alternative investigative Praktiken bereits lange vor der Wirtschaftskrise im Jahr 2007 Relevanz für die Washington Post erlangt hatten und eine Inkorporation folglich bereits früher begann. Die Zeitung hat die Praktiken des Online IR teilweise übernommen und nach seinen eigenen Bedürfnissen für den Mainstream neu definiert oder angepasst. Sie hat zu einem merklichen Grad auch die Machtrelation übernommen oder macht zumindest diesen Eindruck. Damit hat die Zeitung den oppositionellen Charakter gegenüber der Onlinekultur verloren oder hat zumindest die Reibung verringert.

Dies gilt allerdings nicht für die New York Times, die sich auch nach der wirtschaftlichen Krise mit der Inkorporation alternativer Onlinepraktiken schwer zu tun scheint. Trotz eines starken Anstiegs investigativer „nonprofit- Organisationen“ nach dem Wirtschaftsdilemma, die die zweite Welle der
Inkorporation markiert, steht die Zeitung Kooperationen mit diesen alternativen Organisationen kritisch gegenüber. Dabei ist sie aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen solche Kooperationen einzugehen und auch um die Relevanz für die Leser nicht zu verlieren. Dadurch hat die Zeitung zwar einige der Praktiken
übernommen, doch die Versuche wirken halbherzig und von einem veränderten Machtverhältnis oder einer besseren Einbindung einer Lesergemeinschaft kann nicht die Rede sein.

Der Fall der Washington Post zeigt ganz klar die Inkorporation alternativer Kultur in den dominanten Mainstream. Damit findet auch die veränderte Macht- und Kommunikationsstruktur Einzug in die Massenmedien und trägt zu einer fortschreitenden Demokratisierung bei. Allerdings erscheint
diese nicht als kontinuierlicher Prozess sondern in Wellen zu verlaufen. Eventuell gibt es hier Anknüpfungspunkte an frühere Theorien, die die Geschichte des IR als zyklische Entwicklung beschreiben.

Der Fall der New York Times zeigt hingegen nur schwache Versuche der Inkorporation, die kaum ausreichen dürften, um den Antagonismus zwischen Online- und traditionellem Mainstream aufzuweichen. Vielmehr entsteht der Eindruck dass das Blatt sich vom Mainstream weg, hin zu einer residualen Kultur bewegt, die statt fortschreitender Demokratisierung immer stärker von der Regierung abhängig
ist.”

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