Information Placebo

Is Free Any Good? In Print?
For five weeks I have been receiving Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) for free. The weird thing is that since I get a printed paper, my online news reading time has gone down. While I am also working three jobs, there’s something else at work here:

The Placebo Effect:

Having an actual printed paper almost makes me believe I have all necessary information at hand. Not that this is the case and I still spend time reading news online, especially when I want actuality.
The funny thing: I’m not even reading the paper most of the time!

Why I am not reading it?
a) Time, b) format, c) content!
I generally don’t have much time (a) and find it too annoying and troublesome to go back to whatever page I was on earlier, because I have to fold and refold the paper (b). When I finally HAVE found the page, I am most often disappointed.

Content is King! Somewhere!
Sometimes I get one or two good articles out of the paper. However, sometimes I just stop looking, because I get annoyed. One of those articles that makes me stop even the skimming process is an article on the Turkish application for the European Union.

Michael Martens compares the evaluation of European Union applicants with school grades asking for a “behavior” grade – in itself an outdated concept in education aside from being inapplicable because it cannot be measured.

He wastes space on a lengthy discussion of Erdogan as a Muslim who says out loud what most (Muslim) Turkish people think when actually Erdogan is blamed for being implanted by the United States. Throwing in a confusing discussion of Nationalism and Kemalism rounds up his argument, before he argues that the Turkish themselves are thinking of withdrawing their application without being able to give a source.

Arguing in the beginning that Turkey being influenced by Islam is not a problem for the application, he later comes back to the country’s entirely different view of the world, which he bases in Islam.

Really FAZ? I’m supposed to waste my Sunday reading this?
Try again!

Since the article is not online, here’s the text. Taken from http://germanmediawatch.posterous.com/neues-von-theo-100711

Besser ohne einander
Ein EU-Beitritt der Türkei ist weder im türkischen noch im europäischen Interesse

Von Michael Martens

Jedes Jahr im Herbst findet in Brüssel eine große Zeugnisausgabe statt. Die Zeugnisse heißen allerdings nicht Zeugnisse, sondern “Fortschrittsberichte”, als seien die Schüler vor Stagnation oder Rückschritten gefeit. Der Lehrstoff ist umfangreich: Benotet werden 33 Fächer, keines darf abgewählt werden. Über die Noten entscheidet die EU, denn sie gibt die Zeugnisse aus. Die Schüler sind die Staaten, die ihr beitreten wollen und zu den Vorbereitungskursen angenommen wurden.

Außer Beamten, Politikern, Eurokraten und Diplomaten studieren nur wenige Menschen diese europäischen Leistungsnachweise. Dabei kann es eine spannende Lektüre sein. Zum Teil geht es zwar um recht trockene Belange wie den freien Güterverkehr, das Fischereiwesen oder die Zuverlässigkeit der Statistiken (Griechenland!). Andere Abschnitte sind jedoch sehr aufschlussreich. Kapitel 24 zum Beispiel (“Justiz, Freiheit und Sicherheit”) oder die beiden Folgekapitel (“Wissenschaft und Forschung”, “Bildung und Kultur”) lesen sich bei einigen Ländern wie ein Krimi. Man kann sich nach der Lektüre der Texte ein recht zuverlässiges Bild davon machen, wie es um die Leistungen des benoteten Staates steht und wo seine Schwierigkeiten liegen.

Vollständig ist dieses Bild allerdings nicht, denn es gibt einen wichtigen Aspekt, der sich einer Benotung entzieht: Über die Mentalität des Schülers schweigt sich das europäische Zeugnis aus. Dabei ist gerade dieser Punkt entscheidend, denn schließlich wollen die Schüler, die sich der europäischen Benotung unterwerfen, alle so bald wie möglich selbst zur EU stoßen. Sollten da nicht auch einige Fragen gestellt werden, die nichts mit der Qualität von Zollverordnungen, Fleischbeschau oder Bauaufsichtsbehörden zu tun haben? Die Frage zum Beispiel, ob sich das neue Mitglied überhaupt wohl fühlen würde in dem Kreis, in den es Aufnahme begehrt? Und sollten sich nicht auch die Aufnehmenden fragen dürfen, ob sie mit dem Neuling zurechtkommen werden?

Diese Frage ist besonders wichtig, wenn es um die Türkei geht, den mit Abstand größten Schüler Europas. Es spricht nicht gegen dieses Land, daß es islamisch geprägt ist, denn Europa ist kein christlicher Club. Aber es ist auch kein nationalistischer Club – und die Türkei ist ein zutiefst vom Nationalismus vergiftetes Land. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist ein Beispiel dafür. Im Westen wird er oft als “Islamist” bezeichnet. Er habe schließlich eine islamische Imam-Hatip-Schule besucht, heißt es.

Doch dieses Bild ist unvollständig, denn die geistige Entwicklung des türkischen Ministerpräsidenten hat weder in einer Imamschule begonnen noch dort geendet. Erdogan studierte in den siebziger Jahren an der Istanbuler Marmara-Universität, war Rekrut in der türkischen Armee und ist auch in anderer Hinsicht ein Produkt des für europäische Maßstäbe äußerst nationalistischen staatlichen Erziehungssystems der Türkei. Er ist ein frommer Muslim, aber das Etikett des “Islamisten” haftet längst nicht mehr an ihm. Erdogan ist ein Pragmatiker, der Probleme lösen will. Bezeichnend für ihn ist aber auch sein türkischer Chauvinismus, der sich von dem seiner laizistischen Vorgänger in Ankara durch eine stärkere islamische Grundierung unterscheidet. Nicht zuletzt diese Mischung aus einem vorgestrigen Nationalismus und dem Islam ist es, die den charismatischen und rhetorisch begabten Erdogan in der Türkei zu einem Volkstribun macht. Er sagt, was eine Mehrheit seiner Landsleute für richtig hält. Wenn er dem Westen Doppelmoral vorwirft und der muslimischen Welt moralische Überlegenheit attestiert, applaudiert das Land. Endlich sagt es mal einer.

Die europäische und die türkische Sicht auf den Lauf der Welt liegen weit auseinander. Ironischerweise ist diese Einsicht in der türkischen Regierungspartei AKP heute weiter verbreitet als bei den europäischen Befürwortern eines türkischen EU-Beitritts. AKP-Politiker begrüßen den Beitrittsprozess als Vehikel zur Modernisierung ihres Landes und zur weiteren Entmachtung der kemalistischen Gegenelite. Aber sie sehen in dem Prozess vor allem ein Mittel zum Zweck, dessen letztes Ziel nicht unbedingt ein Beitritt sein muss. Unlängst sagte ein bekannter Außenpolitiker der AKP: “Ich glaube nicht mehr an einen EU-Beitritt der Türkei. Und das ist auch besser so. Sollen wir etwa unsere Syrien- und Iran-Politik mit Brüssel abstimmen? Das ist absurd.”

Namentlich zitiert werden wollte der Politiker nicht – es sei noch zu früh, mit solchen Aussagen an die Öffentlichkeit zu gehen. Erst in ein oder zwei Jahren werde es so weit sein. Dann könnten eine starke Türkei und eine erstarkte EU Partner auf Augenhöhe sein. Das wäre besser für beide.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.07.2010, Nr. 27 / Seite 8

  1. No trackbacks yet.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: